Wednesday, 27 August 2008

Rubrik: Runter von der Insel. Die Erste.

Nachdem Britannien und ich ja nicht so gut miteinander koennen, versuche ich mein moeglichstes, wenigstens zeitweise von hier weg zu kommen. Meine erste grosse Reise zu Weihnachten und Silvester 2007 fuehrte mich ueber den grossen Teich... Eileen in den USA! Fuer ganze vier Wochen! Meine Stationen : New York City, Des Moines/Iowa, Lincoln/Nebraska, Providence/Rhode Island und Boston/Massachusetts.

New York City. Ohne Worte.




Mehr Bilder mit mir und von ausgesuchten NYC Wahrzeichen gibt's im Fotoalbum.

Des Moines. Man mag es nicht glauben, aber die verschlafene Hauptstadt Iowas im Herzen des mittleren Westens war um den Jahreswechsel gewissermassen "the place to be". In Des Moines ging das monatelange Ringen um Amerikas Praesidentschaftskandiadaten in die erste Runde. Da ich in in den USA in einem demokratischen Haushalt zuhause bin, konnte ich den Rush auf die Waehlerstimmen hautnah miterleben. Jeden Tag gab es Anrufe von den anfaenglich 8 (!) demokratischen Kandidaten. Hillary kennt man ja. Obama natuerlich auch. Zumindest mittlerweile. Ok, Edwards anyone? Aber was ist mit Biden, Dodd, Gravel, Kucinich und Richardson? Unglaublich. Und alle haben staendig angerufen. Immer wieder klingelte das Telefon... "Hey, it's Obama for you! Oh, and Hillary and Kucinich left messages."






Nachdem wir uns hundertmal haben bitten lassen, sind wir grossmuetig Hillarys und Obamas Einladungen gefolgt, einer ihrer Reden beizuwohnen. Obama hat mich schwer beeinruckt. Diese sprachliche Eleganz und dieses ueberwaeltigende Charisma ziehen einen sofort in den Bann. Change we can believe in? Ja, hier, ich auch!!!















Und dabei war ich als Politikverdrossene anfaenglich viel mehr von der absoluten Hingabe der Obama-Enthusiasten erstaunt. Und von der Tatsache, dass ich in einem echten amerikanischen highschool gymnasium stand (jaja, ich der Touri... Das ist ja wie im Fernseeehen!!!).

Hillarys Auftritt war dagegen eher lau. Lange hat sie auf sich warten lassen - und wir standen erwartungsvoll, aber eingequetscht wie die Oelsardinen. Und mit Hillary kamen Bill, Chelsea und Madeleine Albright (schon mit Zettel am Fuss, by the look of it...). Bill hat Witze gerissen und Hillary hat Platitueden geschwafelt - sehr zur Freude ihrer zahlreichen Fans (durchgehend weiss, weiblich, ueber 50). Ich war enttaeuscht.


Was macht man sonst noch in Iowa? Na klar, einen Road Trip zum zukuenftigen Geburtsort des allseits beliebten Captain James T. Kirk.













Gene Roddenberry hat wohl mal verlauten lassen, dass Captain Kirk in "einer Kleinstadt in Iowa geboren wurde". Und das 900-Seelen Staedtchen Riverside hat meinen Lieblingscaptain sofort als den beruehmtesten "Nachfahren" adoptiert. Hin! Sofort hin! Auf eine haushohe Raumschiff Enterpise Replika hoffend, bin ich kurz nach unserer Ankunft in Riverside lachend in den Schnee gefallen. Aber, man hoere und staune, der Grundstein fuer Kirks Haus ist schon gelegt, und der Pooltable unter dem er gezeugt werden wird, steht auch schon. Na denn mal frohes Schaffen!


Und was schaut man sich in Boston an? Natuerlich Harvard. Auch wenn Harvard gar nicht wirklich in Boston ist, sondern in Cambridge. Cambridge? Wie jetzt? Das war doch unlaengst noch bei mir auf der ollen Insel?! Und mit ganz eigener Eliteuni...! Aber man kennt das ja. Amerika, dieses pubertaere Land mit seinem unersaettlichen Geschichtsdrang, versucht ja schon seit Jahrhunderten, durch die Nutzung europaeischer Namen an Substanz zu gewinnen... .



In Lincoln gab's das schoenste State Capitol Building, meinen ersten richtigen Burger und viele, viele Lemonade und Kaffee Refills! Ausserdem gab's Pancakes "with a side of bacon." Letzteres war sehr gewoehnugsbeduerftig.
















In Providence hatte ich meinen ersten Blizzard. So heisst der Vorgaenger des McFlurry von Dairy Queen. One Chocolate Chip Cookie Dough Blizzard and you are in heaven!


Aversion Nr. 1: Alkoholismus

Im Grunde genommen lassen sich meine Aversionen gegenueber dem Koenigreich in drei Kategorien zusammenfassen:

1. Alkoholismus
2. Standard- und Niveaulosigkeit
3. Unreinheit

Auf all diese Themen werde ich hier wohl immer und immer wieder zurueck kommen (viele von euch kennen das ja schon...), aber nun probier' ich's mal mit einer Einfuhrung der Nummer 1: Alkohol.

Alkohol war ja schon immer eher uninteressant fuer mich; ich war in meinem Leben noch nie betrunken und ich lege auch keinen Wert auf diese Erfahrung. Beschwippst hier und da, ja klar, das macht Spass - den anderen meist mehr als mir ;). Ich erinnere mich da besonders an eine Person aus meiner fruehen Jugendzeit, die mir so gern Martini D'oro gekauft hat, nur um mich lachen zu sehen (und das, obwohl diese Person selbst keinen Alkohol trinkt...).

Hier auf der Insel ist es mir aber regelrecht unmoeglich, eine neutrale Einstellung zum Thema Alkohol zu behalten. Jedes Wochenende findet hier im Koenigreich ein Kollektivbesaeufnis statt, das seinesgleichen sucht. Ab Freitag Mittag fliesst der Alkohol in Stroemen. Gegen fruehen Abend sind dann die meisten schon sternhagelvoll: Vor den Pubs wird gegroelt und uriniert was das Zeug haelt und auf den Gehwegen vor den Bars und Clubs sitzen die Maedels (meist uebergewichtig und unterbekleidet) neben einem Sammelsurium von Erbrochenem. Diese Schau wiederholt sich Samstag und Sonntag - Briten jeden Alters, Geschlechts und Standes besaufen sich bis zur Unkenntlichkeit.

Man kann das kaum glauben, wenn man es nicht mit eigenen Augen immer und immer wieder sieht. Aber hier kommt nun endlich der Beweis: Die Briten und ihr Alkoholkonsum haben es bis in die New York Times geschafft. Ein Urlaubsbericht (jetzt lesen!) zwar, aber in den hiesigen Zeitungen wuerde man auch vergeblich nach kritischen Berichten suchen. Alkoholkonsum ist hierzulande doch nicht wirklich ein Problem (Und wenn die Schotten die hoechste alkoholbedingte Sterberate Europas haben, dann kann das die Englaender doch nicht stoeren. Wie Eddie Izzard schon wusste: "Ah, help yourself! We've been trying to kill you for ages!"). Obwohl ich auch die BBC zitieren sollte: Berichte wie diese (jetzt lesen!) finde ich traurigerweise nicht im mindesten verwunderlich und noch weniger zum lachen.

Mittlerweile bin ich davon ueberzeugt, dass meine eigene Alkoholunvertraeglichkeit im wesentlichen dazu beitraegt, dass ich meine britischen Freunde an einer Hand abzaehlen kann. Freundschaften werden hier im Pub geschlossen. Ich kann da einfach nicht mithalten! Weder monetarisch noch physisch! Wenn ich mit fuenf Briten in den Pub gehe, muss ich mir ueberlegen, ob ich a) 5 Runden Alkohol aushalte (natuerlich nicht!) und b) ob mein mageres Stipendium fuer fuenf alkoholische Getraenke bezahlen kann (natuerlich nicht!). Leider ist es dann fuer mich auch ausgeschlossen, nach Runde vier im Arm meines Nachbarn zu haengen und mit dem Einsatz meines ganzen Koerpers Freundschaft zu schliessen... . Na dann Prost!

Eileen in Britain. Great apparently.

Zwei Jahre sind ins Land gezogen, seit ich das Heimatland gen Norden verlassen habe. Und da eine Rueckkehr nach Deutschland nicht in Aussicht steht, ist dies mein Versuch, Kontakt zu halten. Oder - in einer doch recht betraechtlichen Anzahl von Faellen - Kontakt wieder her zu stellen.

Aber noch mal von vorn:
Wie die meisten von euch wissen, bin ich im September 2006 gen Schottland gezogen, um dort einen Master of Science in "The Evolution of Language and Cognition" an der University of Edinburgh zu erwerben. Damit ist fuer mich ist ein Traum in Erfuellung gegangen. Eileen endlich auf der Insel, noch dazu in Schottland, fuer einen einzigartigen Studiengang - und der ganze Spass finanziert vom DAAD.
Und was ist aus dem Traum geworden? Hmm. Mittlerweile bin ich ja versucht, mein Jahr im Norden eher als Alptraum zu bezeichnen... . Wer von euch nicht in den Genuss einer meiner stundenlangen Litaneien ueber dieses schreckliche Land mit seinen geschmacklosen, unfaehigen und un(aus)gebildeten Einwohnern gekommen ist, den vertroeste ich auf jene Blog Eintraege, die diesem hier folgen werden. Britain is a little shop of horrors. Neverending horrors!

Meinen Kurs in Edinburgh habe ich inzwischen erfolgreich abgeschlossen und das nordische, dunkle Schottland mit seinen endlosen Stuermen und dauerndem Regen hinter mir gelassen. Allerdings - gewissermassen Unglueck im Glueck - bin ich immer noch auf der Insel. Und das ist meine eigene Schuld. Ich bin mittlerweile an der University of Manchester und werde endlich fuer das bezahlt, was ich am liebsten mache und auch am besten kann - studieren! Ich promoviere nun am Max-Planck-Institut fuer evolutionaere Anthropologie in Leipzig, habe mich aber noch vor Edinburgh fuer die "Aussenstelle" Manchester entschieden. Und jetzt muss ich da durch.

Dieser Blog ist ein Art Therapie fuer mich. Als depressionsanfaellige Neurotikerin werde ich mich hier regelmaessig auf die Couch legen und meine Erlebnisse - past & present - systematisch aufarbeiten. Immer wenn es regnet. Also oft.